Wertemarken

Heute habe ich erfahren, dass bei einer 100% Sanktion des Jobcenters, Lebensmittellmarken beantragt werden können. Geschieht dies nicht, wird die Krankenversicherung nicht mehr gewährleistet.

Nahrung ist existenziell. Es geht um Lebensexistenz und Grundbedürfnisse. Ein gesetzlicher Rahmen stellt Forderungen, damit durch Arbeitskraft Steuergelder bezahlt werden und der Sozialstaat Deutschland sich selbst erhalten bzw. ernähren kann. So läuft es hier in der Heimat. Vielversprechend für viele Menschen, die sich ein sozial abgesichertes Leben wünschen, erhoffen und erleben möchten.

Ich möchte Wertemarken für Nahrungsmittel beantragen, und dafür Haltung, Würdigung und Bedeutung bekommen. Ich möchte erleben, dass Gesetze damit gefüllt sind und der Rahmen ein menschlicher ist. Ich möchte mir wünschen, dass Willkür nicht aus Angst vor Fehlern entsteht. Ich erhoffe mir eine Heimat, die Andersartigkeit nicht assimiliert, sondern annimmt. Ich erhoffe mir eine Heimat, die miteinander spricht und nicht übereinander.

Die Summe von Identität

Wo sich die eigene Lebensenergie hin ausrichtet. Wie sich der individuelle Lebensraum gestaltet. Gegenstände, Beruf, Wohnraum, Familie, Freundeskreis, Standorte. Ist die Summe davon Identität? Wo mischen sich Themen wie Krankheit, Tabus, ungeklärte Konflikte, Herkunft, Behinderungen, Arbeitslosigkeit, Schulden, Süchte,…. ein? Wo darf das alles sein? Dürfen diese Themen überhaupt sein? Wer darf sie sehen, hören oder ansprechen?

In der Oktober Ausgabe von Hempels – das Straßenmagazin, habe ich diesen Bericht gelesen (Auszug: „…Langzeitarbeitslose mit Suchtproblemen haben es besonders schwer, einen Job zu finden.“) Nicht zum ersten Mal bin ich beeindruckt von der Zeitschrift. Das Layout und die Gestaltung finde ich gelungen. Die Artikel und Informationen geben Raum für Themen, die es eben gibt, auch wenn sie einen Schatten werfen, den es oft nicht geben darf. Gut diese Zeitschrift zu lesen und zu kennen. Ihr Inhalt motiviert. Werte orientiert, Menschen zu unterstützen und zu begleiten.

Ich erinnere mich, dass die Summe meiner Identität aus vielen einzelnen Bausteinen besteht. Bestehen kann aber nur das, was Raum bekommt. Alles andere fällt schnell unten durch, gerät in Vergessenheit, weil es unangenehm ist und scheinbar aufhält. Immer wieder baue ich meine Bausteine zusammen. Mal hält das Gebaute länger, mal kürzer. Die Summe möchte immer wieder neu gestaltet werden. Es gibt viele Formen, aber immer ist es nur eine Identität. Meiner Meinung nach.

Mitgestalten

shape, oblik, forme

form, forma, kuju, shakli

form, formë, muoto, şekil

Aktiv teilnehmen. Tun, handeln und im unmittelbaren Umfeld leben.

Partizipation. Teilhabe. Große Worte, wenn ein Konzept dahinter steckt. Projekte mit ihrem Inhalt füllen sie. Details ergeben sich in ihrer Umsetzung. Gelebte Konzepte sind die Praxis, eine theoretische Grundlage hat Hand und Fuß.

Sind große Worte menschlich, sind sie groß. Sind große Worte hart, sind sie nichts Wesentliches und scheinen nur groß zu sein. Projekte abschließen, auswerten, bei Bedarf verlängern. Räume dazwischen sind die Unterschiede von Theorie und Praxis. Das Dazwischen, ist gelebte Nebensache, die Lücke im klassischen Lebenslauf. Das Dazwischen stört gerade, einseitige und starre Linien. Die Auswertung reflektiert. Ein Versuch das Vor – und Nachher miteinander zu kombinieren und zu verbinden. Was dazwischen liegt, kann wiedergefunden werden. Was erhalten bleibt, führt menschlich und gestaltet mit.

 

 

Orientierung in Übergängen

Für meinen beruflichen Einstieg nach Beendigung des Studiums, habe ich für den Übergang von Universität/Studium in den Beruf, ein integratives Führungstraining mit einem Zertifikat absolviert ( AusrichterInnen waren zwei Frauen von Sonnos gewesen, die sich heute auch Transformationsschmiede nennen). Die Inhalte dieses Trainings sind für mich zu einer wichtigen Orientierungsgrundlage geworden.

Warum? Plötzlich war der Rahmen Universität weg. Der Studentenstatus hatte sich mit meinem Abschluss aufgelöst und meine Identität wusste nicht wirklich, in welche Richtung sie sich zu orientieren hatte und gefühlt fragte ich mich, welche Identität ich überhaupt hatte. Keine Studentin mehr, Diplom in der Tasche und wieder einmal standen mir endlose Wahlmöglichkeiten zu Füßen. Klingt verlockend, denn die Welt stand mir nicht zum ersten Mal offen gegenüber. Ein enormes Gefühl ist das. Denn diese breite Palette an Angeboten von Außen schafft dem eigenen inneren Raum jede Menge Platz und eine innere Weite. Der ersten Euphorie folgten aber schnell Überforderung, Hilflosigkeit und vor allem Orientierungslosigkeit. Was jetzt? Wo geht es entlang? Bewerbungen? In welchem Bereich? Tanz? Theater? Reisen? Gastalttherapie? Mediation? Oder, oder, oder.

Nun könnte ich meinen weiteren Lebenslauf aufzeigen, aufbereiten und analysieren. Viel, zu viel für mein Verständnis. Um es kurz zu fassen und auf den Punkt zu bringen, möchte ich gerne erläutern, was für mich zu einer wichtigen Orientierungsgrundlage geworden ist. In Lebensabschnitten des Übergangs kann ich mich in Entscheidungsprozessen daran halten und danach ausrichten. Das passiert von ganz alleine, auch wenn es sich hier sehr theoretisch anhört.

Ich glaube es sind persönliche Werte. Die eigene Identität formt sich von Geburt an und meine Lebenserfahrungen lehren mich das Leben. Pathetisch formuliert, ist meiner Meinung aber so. Alles subjektiv, so wie der Mensch eben ein Subjekt ist. Das eigene Leben entwirft mir meine ganz persönliche Welt, mit allem drum und dran: Weltansichten, Überzeugungen, Bedürfnisse, Sehnsüchte, Träume, Visionen und und und.

Immer dann wenn im eigenen Leben etwas anders wird, sprich eine Veränderung voll in Gange ist, läuft alles gefühlt chaotisch drunter und drüber. Stress vermehrt sich von selbst, und alles Gewohnte wird gefühlt zur Seil und Hakensicherung wie beim Klettern. Mein Gefühl ist: ach alles in Ordnung, das Seil hält mich, es kann nichts passieren! Werte sind wie die Person, die mich beim Klettern sichert, die mich am Seil hält und ich nicht abstürzen kann. Es ist einfach da. Es ist gefühlt die Orientierung im Chaos, die Hilfe und Begleitung bei der Hilflosigkeit und Überforderung. Meine eigene Identität schenkt mir Werte, die mich leiten und eben begleiten. Sie verändern sich, weil ich mich verändere. Sie sind korrigierbar, umschreibbar, übersetzbar und das Gegenteil von einem Axiom. Meiner Meinung nach. Denn das Leben ist für mich keine Wissenschaft, sondern Natur. Ich bin Natur, wir sind Natur. Von da kommen wir alle. Dort gehen wir alle wieder hin zurück. Alle.