Orientierung in Übergängen

Für meinen beruflichen Einstieg nach Beendigung des Studiums, habe ich für den Übergang von Universität/Studium in den Beruf, ein integratives Führungstraining mit einem Zertifikat absolviert ( AusrichterInnen waren zwei Frauen von Sonnos gewesen, die sich heute auch Transformationsschmiede nennen). Die Inhalte dieses Trainings sind für mich zu einer wichtigen Orientierungsgrundlage geworden.

Warum? Plötzlich war der Rahmen Universität weg. Der Studentenstatus hatte sich mit meinem Abschluss aufgelöst und meine Identität wusste nicht wirklich, in welche Richtung sie sich zu orientieren hatte und gefühlt fragte ich mich, welche Identität ich überhaupt hatte. Keine Studentin mehr, Diplom in der Tasche und wieder einmal standen mir endlose Wahlmöglichkeiten zu Füßen. Klingt verlockend, denn die Welt stand mir nicht zum ersten Mal offen gegenüber. Ein enormes Gefühl ist das. Denn diese breite Palette an Angeboten von Außen schafft dem eigenen inneren Raum jede Menge Platz und eine innere Weite. Der ersten Euphorie folgten aber schnell Überforderung, Hilflosigkeit und vor allem Orientierungslosigkeit. Was jetzt? Wo geht es entlang? Bewerbungen? In welchem Bereich? Tanz? Theater? Reisen? Gastalttherapie? Mediation? Oder, oder, oder.

Nun könnte ich meinen weiteren Lebenslauf aufzeigen, aufbereiten und analysieren. Viel, zu viel für mein Verständnis. Um es kurz zu fassen und auf den Punkt zu bringen, möchte ich gerne erläutern, was für mich zu einer wichtigen Orientierungsgrundlage geworden ist. In Lebensabschnitten des Übergangs kann ich mich in Entscheidungsprozessen daran halten und danach ausrichten. Das passiert von ganz alleine, auch wenn es sich hier sehr theoretisch anhört.

Ich glaube es sind persönliche Werte. Die eigene Identität formt sich von Geburt an und meine Lebenserfahrungen lehren mich das Leben. Pathetisch formuliert, ist meiner Meinung aber so. Alles subjektiv, so wie der Mensch eben ein Subjekt ist. Das eigene Leben entwirft mir meine ganz persönliche Welt, mit allem drum und dran: Weltansichten, Überzeugungen, Bedürfnisse, Sehnsüchte, Träume, Visionen und und und.

Immer dann wenn im eigenen Leben etwas anders wird, sprich eine Veränderung voll in Gange ist, läuft alles gefühlt chaotisch drunter und drüber. Stress vermehrt sich von selbst, und alles Gewohnte wird gefühlt zur Seil und Hakensicherung wie beim Klettern. Mein Gefühl ist: ach alles in Ordnung, das Seil hält mich, es kann nichts passieren! Werte sind wie die Person, die mich beim Klettern sichert, die mich am Seil hält und ich nicht abstürzen kann. Es ist einfach da. Es ist gefühlt die Orientierung im Chaos, die Hilfe und Begleitung bei der Hilflosigkeit und Überforderung. Meine eigene Identität schenkt mir Werte, die mich leiten und eben begleiten. Sie verändern sich, weil ich mich verändere. Sie sind korrigierbar, umschreibbar, übersetzbar und das Gegenteil von einem Axiom. Meiner Meinung nach. Denn das Leben ist für mich keine Wissenschaft, sondern Natur. Ich bin Natur, wir sind Natur. Von da kommen wir alle. Dort gehen wir alle wieder hin zurück. Alle.